Mein Jahr in Arizona Zurück in Deutschland Zurück zum Jahr 2002 Verfasst im September 2002: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, und ich würde jederzeit wieder fahren und kann jedem nur empfehlen, auch an einem solchen Schüleraustausch teilzunehmen. Ich bin viel selbstständiger geworden und habe eine andere Sicht des Lebens bekommen, die natürlich stark durch den American Way Of Life geprägt worden ist. Ich habe auch gelernt, viel lockerer und ruhiger zu leben, ohne Stress, was sicherlich sowohl positiv als auch negativ gesehen werden kann. Ich bin weltoffener geworden, habe aber auch erfahren, wie patriotisch die Amerikaner (speziell in Arizona) sind. Speziell am 11. September ist dies mir aufgefallen. Der 11. September 2001 (9-11-01) Als das World Trade Center in New York zusammenbrach, kam ich gerade in die Küche um zu frühstücken. Meine Gastmutter saß, völlig ungewohnt zu dieser frühen Stunde, weinend auf der Couch und berichtete mir, was geschehen war. Dann sah ich auf FOX auch schon das zweite Flugzeug in das World Trade Center fliegen. Ich konnte das überhaupt nicht richtig realisieren und dachte nur an Hollywood. Das Telefon bei uns lief heiß; viele Familienmitglieder riefen an um zu berichten. Aussagen wie %u201EOh mein Gott, das kann doch nicht wahr sein. Jetzt treffen uns diese dummen Terroristen mitten ins Herz. Wir sollten gleich unsere Nuklear-Raketen dorthin schicken!%u201C, bekam ich zu hören. Ruslan und ich wurden auch nicht mehr zur Schule gefahren (damals benutzten wir noch keinen Bus). Wir sahen uns dann den ganzen Tag die Nachrichten an. George W. Bush kam noch am selben Tag auf allen TV Sendern und sprach über die aktuelle Lage. Ich denke schon, dass fast alle Amerikaner das Handeln ihres Präsidenten and diesem Tag mitverfolgten. Er stand an seinem Pult, geschmückt mit der Stars and Stripes Flagge, ermutigte die Amerikaner und kündigte gleich den Rückschlag an. Auch Osama Bin Laden zeigte sich noch am selben Tag, erinnere ich mich. Die folgenden Wochen wurde fast ausschließlich an dieses wirtschaftlich-geschichtliche Ereignis gedacht. Es wurde auch viel gespendet und, anders als sonst, über andere Länder berichtet, die sich für die USA einsetzten und Schweigeminuten einlegten. Wir als Austauschschüler wurden beruhigt und informiert: "Es sei kein Anlass gegeben, uns zurück nach Deutschland zu schicken", hieß es. Überzogen fand ich den anschließenden Nationalstolz der US-Amerikaner. Jeder lief monatelang mit seinen "WTC-We Will Never Forget" T-Shirts und Flaggen durch die Gegend. "FDNYC - 911" verfolgte mich auf Schritt und Tritt: Aufkleber an Autos, Fenstern und Shoppingcentern. Trotz dieses übertriebenen Nationalstolzes sind die Amerikaner sehr gastfreundlich und nett. Ich kam in dieses fremde Land ohne eine Person zu kennen und ging nach 10 Monaten mit einem riesigen Schatz an Erfahrungen und vielen neuen Freunden zurück. Der Abschied war schon sehr traurig, obwohl ich mich doch wieder auf Deutschland freute. Viele Freunde werde ich wohl nicht so schnell wieder sehen, ich hoffe aber irgendwann wieder nach Phoenix fliegen zu können. Nach diesen 3 Monaten, die ich wieder in Deutschland bin, vermisse ich doch das eine oder andere. Ich habe mir seit langem wieder meine Photos angesehen und mein Year-Book durchgeblättert. Da kommen einem schon recht viele Erinnerungen zurück. Ich bin seit August wieder in der Schule. Ich habe gewechselt und gehe jetzt auf eine Integrierte Gesamtschule. Damit habe ich auch einen Schlussstrich unter die Zeit an meinem alten Gymnasium gezogen und "von vorne" angefangen. Da ich gleich in die 12. Klasse gegangen bin, habe ich mit größeren Problemen gerechnet. Im Moment aber sieht es nicht danach aus, trotz der versäumten 11. Klasse. Im Englischunterricht fallen mir jetzt besonders die Unterschiede zwischen dem britischen und dem amerikanischen English auf. Es werden immer andere Vokabeln benutzt, was ein wenig nervig ist. Trotzdem kann ich zum Glück auch die US-Wörter benutzen. Wenn ich jetzt auf das Austauschjahr zurückblicke sage ich mir: "Cool, was du da gemacht hast. Diese Erfahrung hat nicht jeder." Damit wünsche ich allen zukünftigen ATS alles Gute und viel Spaß, auch wenn es manchmal ziemlich hart ist. Lasst euch nicht unterkriegen und meldet auch mal wieder im Language-net. Danke für euer Interesse, Florian zurück
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